Von Alice Lee | Veröffentlicht am 4. Juni 2026
Eine der intensivsten russischen Einflusskampagnen gegen eine ausländische Regierung stützt sich in erheblichem Maße auf einen wenig bekannten türkischen Staatsbürger namens Okay Deprem. Im Vorfeld der armenischen Parlamentswahlen am 7. Juni 2026 verbreitet eine russische Einflussoperation zahlreiche Falschbehauptungen gegen den armenischen Ministerpräsident Nikol Paschinjan. Rund 40 Prozent dieser Behauptungen stammen ursprünglich von Deprem, wie NewsGuard herausfand.
Deprem, der sich selbst als freier Journalist bezeichnet, pendelt offenbar zwischen Russland, dem russisch besetzten Teil der Ukraine und der Türkei. Laut einer NewsGuard-Analyse produzierte er 17 der 43 Behauptungen, mit denen die als Storm-1516 bekannte russische Einflussoperation Paschinjan im Vorfeld der Wahl zu diskreditieren versuchte. Dazu zählen die Behauptungen, Paschinjans Regierung habe Abtreibungen verboten und seine Ehefrau habe eine Affäre mit einem türkischen Schauspieler. Eine weitere Behauptung lautet, Paschinjan plane, jede Erwähnung des „armenischen Volkes” aus der Verfassung des Landes zu streichen.
Weitere von Deprem in Umlauf gebrachte und anschließend von Storm-1516 verbreitete Falschbehauptungen stellen Paschinjan als „Verräter” dar. Demnach gebe er den Forderungen der feindlich gesinnten Nachbarn Türkei und Aserbaidschan nach: Er verkaufe zentrale armenische Infrastruktur an die Türkei und lasse auf armenischem Boden Luxuswohnungen für Aserbaidschaner errichten.
Anders als bei der üblichen Vorgehensweise von Storm-1516, bei der gefälschte Nachrichtenseiten erstellt werden, um Falschbehauptungen zu platzieren, erscheinen Deprems Artikel auf tatsächlich existierenden Websites – überwiegend türkisch-nationalistischen und prorussischen Medien. Dadurch erhalten seine Behauptungen einen Anschein von Glaubwürdigkeit und finden leichter Eingang in das breitere Medienökosystem. (Mehr zu dieser Taktik weiter unten.)