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Russische Desinformationskampagne Storm-1516 richtet sich verstärkt gegen Europas Ukraine-Unterstützer

Während die USA ihre finanzielle Unterstützung der Ukraine reduzierten, nahm Moskaus Storm-1516 Frankreich und Deutschland ins Visier: Eine NewsGuard-Analyse erfasste 30 falsche Behauptungen, die zusammen Hunderte Millionen Aufrufe erzielten.

Von Natalie Huet, Mascha Wolf und Eva Maitland | Veröffentlicht am 2. März 2026

 

Die russische Einflussoperation Storm-1516 hat ihre Strategie im vergangenen Jahr verändert: Sie verbreitet nicht mehr nur Falschbehauptungen über die Ukraine selbst, sondern richtet ihre diffamierenden Narrative zunehmend gegen Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron und Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz. Dahinter steckt offenbar der Versuch, zwei der entschlossensten europäischen Unterstützer der Ukraine zu diskreditieren – besonders jetzt, da Frankreich und Deutschland versuchen, den Wegfall der fast vollständig gestrichenen US-Finanzhilfe für die Ukraine zu kompensieren. 

Zum vierten Jahrestag der russischen Großinvasion vom 24. Februar 2022 ergab eine NewsGuard-Analyse: Storm-1516 – eine russische Einflussoperation, die Berichten zufolge ein Ableger der Trollfabrik Internet Research Agency ist – veröffentlichte seit Januar 2025 insgesamt 34 Falschbehauptungen, die sich gegen Frankreich und Deutschland richteten. Sie kursierten in 175.000 Posts und Artikeln und erzielten allein auf X 274 Millionen Aufrufe.

In dieser Bilanz sind vier Behauptungen aus dem bisherigen Jahr 2026 enthalten, die 29 Millionen Aufrufe erreicht haben – ein Zeichen dafür, dass die Kampagne nicht nachlässt. Zum Vergleich: 2024 waren es lediglich 12 Storm-1516-Behauptungen, die Frankreich und Deutschland ins Visier nahmen.

Damit verbreitet Storm-1516 inzwischen mehr Falschinformationen über den Ukraine-Krieg als die Staatsmedien Moskaus, RT oder Sputnik.

Die Entwicklung passt zu einer größeren Verschiebung: Seit Europa die USA als wichtigsten Unterstützer der Ukraine abgelöst hat – ein Wandel, der mit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump 2025 einsetzte – hat sich auch der Fokus der Einflussoperation verlagert. Laut dem Kiel Institute for the World Economy, einer deutschen Denkfabrik, brachen die gesamten US-Hilfen für die Ukraine 2025 um 99 Prozent ein. Im selben Zeitraum stieg die europäische Militärhilfe im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 2022–2024 um 67 Prozent, wie das Institut berichtete.

Deutschland ist inzwischen mit 9 Milliarden Euro im Jahr 2025 der größte militärische Unterstützer der Ukraine. Frankreichs Präsident Macron hat sich zudem als lautstarker Fürsprecher des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky positioniert und plädiert dafür, europäische Truppen zur Unterstützung von Friedensmissionen in die Ukraine zu entsenden.

Die Storm-1516-Kampagne richtet sich zunehmend gegen Frankreich und Deutschland statt gegen die USA. (Grafik via NewsGuard)

In den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 verbreitete die Kampagne bereits drei neue Falschbehauptungen gegen Frankreich sowie eine gegen Deutschland.

Von den 30 Falschbehauptungen, die NewsGuard Storm-1516 für das Jahr 2025 zuordnete, richteten sich 17 gegen Frankreich, 12 gegen Deutschland und eine gegen beide Länder. Weitere 25 Falschbehauptungen zielten direkt auf die Ukraine. Lediglich eine Falschbehauptung im Jahr 2025 richtete sich gegen die USA – gegenüber 11 im Jahr 2024, als sie noch der größte finanzielle Unterstützer der Ukraine war.

Zudem verschärfte sich die Kampagne gegen Frankreich und Deutschland deutlich in der zweiten Jahreshälfte 2025: Die Anzahl der Narrative und ihre Reichweite stiegen im Vergleich zur ersten Jahreshälfte um 50 Prozent. In der zweiten Hälfte von 2025 verbreitete Storm-1516 18 Falschbehauptungen gegen Frankreich und Deutschland, die insgesamt 147 Millionen Aufrufe erzielten. In der ersten Hälfte des Jahres waren es 12 Behauptungen mit insgesamt 97 Millionen Aufrufen.

Die Falschbehauptungen gegen Frankreich und Deutschland nahmen vom ersten zum zweiten Halbjahr 2025 in allen drei Messkategorien deutlich zu. (Grafik via NewsGuard)

(Die Zahlen in der Grafik oben weichen von denen in der Einleitung dieses Berichts ab, da sie ausschließlich das Jahr 2025 berücksichtigen und die Falschbehauptungen aus den ersten zwei Monaten des Jahres 2026 nicht einbeziehen.)

Storm-1516 umfasst auch die Aktivitäten von John Mark Dougan, einem ehemaligen stellvertretenden Sheriff aus Florida und US-Flüchtigen, der 2016 nach Russland floh und dort Teil der Propagandamaschinerie des Kremls wurde. Die Europäische Union belegte Dougan im Dezember 2025 mit Sanktionen. Sie wirft ihm vor, an kremlnahen Einflussoperationen beteiligt zu sein, mit dem Ziel, „Wahlen zu beeinflussen, politische Persönlichkeiten zu diskreditieren und den öffentlichen Diskurs in westlichen Ländern zu manipulieren.“

Auf Fragen zu Storm-1516s Kampagne gegen Frankreich und Deutschland antwortete Dougan NewsGuard am Feb. 26, 2026, in einer Nachricht über Signal: „Storm? Nie davon gehört.“ Dougan bestreitet jede Verbindung zur russischen Regierung.

Altes Muster, Neue Ziele

Die Methoden von Storm-1516 sind von NewsGuard und anderen Forschenden ausführlich dokumentiert worden. Das Netzwerk platziert üblicherweise erfundene Behauptungen  auf gefälschten Webseiten, die sich als seriöse Nachrichtenportale ausgeben, und verstärkt die Narrative anschließend über anonyme Accounts auf X. Das Vorgehen folgt meist demselben Muster: Ein kontroverses Nachrichtenthema wird aufgegriffen, darum herum wird mithilfe von KI-Personas, gefälschten Dokumenten und anderen Mitteln eine elaborierte Falschbehauptung konstruiert – die anschließend über Bot-Accounts, kremlnahe Influencer und fingierte Webseiten verbreitet wird.

Tatsächlich berichtete NewsGuard im Dezember 2025, dass Storm-1516 inzwischen zu den produktivsten und am schnellsten wachsenden russischen Einflussoperationen gehört und als Verbreiter falscher Behauptungen zum Russland-Ukraine-Krieg sogar RT und Sputnik, die wichtigsten staatlich finanzierten Kreml-Medien, überholt hat.

Storm-1516s Falschbehauptungen gegen Frankreich folgten laut früheren NewsGuard-Berichten eng auf Signale französischer Unterstützung für die Ukraine – darunter diplomatische Besuche, Aussagen Macrons zugunsten der Ukraine sowie öffentlichkeitswirksame Treffen Macrons mit Selenskyj. 

Dieses wechselseitige Muster setzte sich fort. In den vergangenen Monaten hat die Operation ihre Taktik offenbar verfeinert, um mehr Sichtbarkeit zu erzielen.Bis Mitte 2025 veröffentlichte Storm-1516 seine Falschbehauptungen über ein weit verzweigtes Netzwerk KI-generierter Webseiten, die wie lokale Nachrichtenportale wirkten, ohne jedoch real existierende Medien zu imitieren.

Seit Juli 2025 setzt die Kampagne jedoch wiederholt auf Websites, die sich als authentische Nachrichtenmarken ausgeben, indem sie deren Namen und Logos übernehmen und Domainnamen nutzen, die den echten täuschend ähnlich sind.

Zielscheibe Nummer eins: Macron

Die Desinformationskampagne richtet sich zunehmend persönlich gegen Macron, wie NewsGuard feststellte. Von den 21 falschen Narrativen gegen Frankreich seit Januar 2025 waren 10 direkte Angriffe auf Macron oder seine Ehefrau Brigitte.

Zu den verbreiteten Falschbehauptungen gehörte unter anderem, Macron sei durch neu veröffentlichte Epstein-Akten kompromittiert worden, habe bei einem Jetski-Unfall einen Hoden verloren und aus geleakten Testergebnissen seines früheren Arbeitgebers gehe hervor, er habe einen IQ von 89 – niedriger als der von Koko, dem sprechenden Gorilla.

Die seit Mitte 2025 am weitesten verbreiteten Falschbehauptungen gegen Frankreich und Deutschland umfassen persönliche und obszöne Angriffe auf Macron und Merz. (Grafik via NewsGuard)

Französische Behörden warnen mit Blick auf die für März 2026 angesetzten Kommunalwahlen und die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2027 vor russischen Desinformationskampagnen. Viginum, die französische Regierungsstelle zur Beobachtung ausländischer Online-Einflussnahme, veröffentlichte sogar einen Leitfaden für Lokalpolitiker. Ziel ist es, Einflusskampagnen wie Storm-1516 frühzeitig zu erkennen und politisch wirksam zu begrenzen.

Am 4. Februar 2026 behauptete eine gefälschte, inzwischen abgeschaltete französische Website, das US-Justizministerium (DOJ) habe E-Mails aus dem Mai 2017 zwischen dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und einem mutmaßlichen Komplizen, dem inzwischen verstorbenen französischen Model-Agenten Jean-Luc Brunel, veröffentlicht. Darin werde behauptet, Macron möge junge Jungen und sei ein häufiger Besucher von Epsteins Pariser Wohnung gewesen sein. 

Die Behauptung verbreitete sich in 38.000 Posts auf X und erzielte insgesamt 20,4 Millionen Aufrufe. Das französische Außenministerium reagierte mit einer offiziellen Gegendarstellung über @FrenchResponse, ein eigens eingerichtetes X-Konto zur Abwehr ausländischer Desinformationskampagnen.

Die angeblichen E-Mails waren gefälscht. NewsGuard fand in den Hunderten vom DOJ veröffentlichten E-Mails zwischen Brunel und Epstein keinen einzigen Hinweis auf Macron. Auch kein seriöses Medium berichtete jemals, dass Macron Epsteins Wohnung in Paris besucht habe.

Das konstruierte Narrativ tauchte erstmals auf einer neu registrierten Domain, France-Soir[.]net, auf. Die Seite imitierte FranceSoir.fr, eine regierungskritische französische Webseite, die laut NewsGuard wiederholt falsche und grob irreführende Inhalte veröffentlicht. Der Falschartikel wurde fälschlicherweise dem Journalisten Victor Cousin von der französischen Zeitung Le Parisien zugeschrieben. Cousin erklärte gegenüber NewsGuard, er habe einen solchen Artikel nie verfasst.

Gefälschte Nachrichtenseiten, die sich als echte französische Medien ausgeben: Links eine als Le Journal du Dimanche getarnte Seite mit der Behauptung, Macron habe bei einem Jetski-Unfall einen Hoden verloren. Rechts eine als FDeSouche.com auftretende Webseite, die ihm einen unterdurchschnittlichen IQ von 89 zuschreibt. (Screenshots via NewsGuard)

Cousin ist nicht der erste französische Journalist, dessen Name für eine Storm-1516-Kampagne missbraucht wurde. Seit Juni 2025 veröffentlichte die Operation Falschbehauptungen unter den Namen von acht weiteren Journalisten ebenso vieler renommierter französischer Medien – darunter die Tageszeitungen Le Monde und Le Figaro sowie die öffentlich-rechtlichen Sender France Télévisions, France 24 und France Info.

Deutschland im Fadenkreuz

Storm-1516-Narrative imitierten auch deutsche Medien, darunter Stern.de und die Faktencheck-Organisation Correctiv, ebenso wie die offizielle Webseite der CDU. 

Wie Macron in Frankreich ist nun auch Bundeskanzler Merz ein zentrales Ziel der Kampagne. Seit Januar 2025 verbreitete Storm-1516 13 Falschbehauptungen gegen Deutschland – gegenüber drei im Jahr 2024. Acht richteten sich direkt gegen Merz. Andere zielten darauf ab, mit erfundenen Behauptungen über Wahlmanipulationen und Unregelmäßigkeiten das Vertrauen in die deutschen Wahlen und demokratische Institutionen zu untergraben. (Siehe NewsGuards Bericht zur Wahl 2025.)

Im Laufe des Jahres 2025 und zu Beginn des Jahres 2026 konzentrierten sich die Falschnarrative gegen Deutschland und Merz vor allem auf angebliche Kriminalität und Korruption. Dazu zählten Behauptungen, Merz habe eine Sexarbeiterin aus Ghana angegriffen, die Finanzierung eines 1,4-Milliarden-Euro-Stadions in Brasilien als Entschuldigung für abfällige Äußerungen über das Land genehmigt und Drohnenvorfälle an deutschen und dänischen Flughäfen inszeniert, um politischen Druck für neue Verteidigungsausgaben zu erzeugen.

Die seit Mitte 2025 am weitesten verbreiteten Falschbehauptungen gegen Deutschland beinhalten Vorwürfe von Kriminalität und Korruption gegen Merz. (Grafik via NewsGuard)

Eine besonders weit verbreitete Behauptung stellte Merz in den Mittelpunkt eines angeblichen Flugunfalls im Vereinigten Königreich. Am 26. November 2025 veröffentlichte DailyExpress[.]news – eine gefälschte Nachrichtenseite, die sich als die in London ansässige Daily Express ausgab – einen erfundenen Artikel. Darin hieß es, Merz habe im Juli 2024 beim Steuern seines Privatflugzeugs am London Ashford „Lydd“ Airport einen Flughafenmitarbeiter schwer verletzt.

Weiter wurde behauptet, Merz habe eine Entschädigung zugesagt, um den Vorfall geheim zu halten. Dem Artikel war ein Video beigefügt, in dem sich ein Mann als „James Okafor“ ausgab und erklärte, er sei der verletzte Mitarbeiter.

Ein Manager des Flughafens Lydd  sagte NewsGuard, ein solcher Vorfall habe nie stattgefunden. Zudem habe dort niemals ein Mitarbeiter namens „James Okafor“ gearbeitet. In einer E-Mail an NewsGuard sagte eine ungenannte Sprecherin aus dem Pressebüro von Merz die Geschichte sei „frei erfunden und entbehrt jeglicher Grundlage.“

Eine Webseite, die die britische Boulevardzeitung Daily Express imitierte, veröffentlichte im November 2025 einen gefälschten Artikel mit der Behauptung, Merz habe einen Flughafenmitarbeiter verletzt. (Screenshot via NewsGuard)

Erneut setzte die Operation auf die Imitation realer Journalisten. Die Domain, über die die Behauptung verbreitet wurde, schrieb den Artikel fälschlich der realen Journalistin Deirdre Durkan-Simonds zu. Sie arbeitet tatsächlich für die britische Boulevardzeitung Daily Mail – nicht für den Daily Express. DMG Media, Eigentümerin der Daily Mail, erklärte in einer Stellungnahme gegenüber NewsGuard: „Deirdre hat den betreffenden Artikel weder verfasst noch daran mitgewirkt.“

Die Behauptung über den angeblichen Vorfall am Flughafen verbreitete sich rasch auf X und Telegram. In den ersten vier Tagen erzielte sie 7,8 Millionen Aufrufe in 1.410 Posts. Das Timing war auffällig: Der Hoax-Artikel erschien zwei Tage bevor, der Deutsche Bundestag einen neuen Haushalt verabschiedete, der für 2026 eine Erhöhung der Ukraine-Hilfen um 3 Milliarden Euro vorsieht – auf insgesamt 11,5 Milliarden Euro pro Jahr.

Storm-1516 ist nicht die einzige russische Kampagne, die ihre Angriffe auf die europäischen Verbündeten Kiews verstärkt. Auch „Matryoshka“, eine russische Einflussoperation, die kremlnahe Desinformations-Videos veröffentlicht und dabei ebenfalls seriöse westliche Medien wie BBC und CNN imitiert, hat ihre Aktivitäten ausgeweitet. Bislang sind 57 Videos gegen Frankreich und Deutschland erschienen – gegenüber 45 im Jahr 2025, wie NewsGuard feststellte. Die Reichweite dieser Videos bleibt jedoch in der Regel deutlich hinter der von Storm-1516.

Storm-1516 nutze jede verfügbare Methode, um nicht nur das Ansehen der Ukrainer zu beschädigen und den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu unterstützen, sondern auch „uns ein schlechtes Bild von uns selbst zu vermitteln, um unsere Moral zu schwächen“, sagte ein französischer Regierungsbeamter in einem Telefoninterview im Februar 2026 mit NewsGuard. Der Beamte beobachtet ausländische Einflussoperationen und bat aus Sicherheitsgründen darum, anonym zu bleiben.

Narrative mit Bezug zu Sex und Kriminalität seien strategisch gewählt, da sie typischerweise mehr Aufmerksamkeit erregen, so der Beamte. Zudem greife Storm-1516 gezielt emotional aufgeladene Themen wie die Proteste französischer Landwirte auf.

„Wir haben es mit Menschen zu tun, die uns sehr gut kennen, die unsere Presse lesen und ein recht differenziertes Verständnis unserer Debatten haben“, fügte der Beamte hinzu. „Sie treiben diese Strategie mit voller Intensität voran – und haben leichtes Spiel.“

Redaktion: Dina Contini und Eric Effron.