Von Charlene Lin und Isis Blachez | Veröffentlicht am 13. August 2026
NewsGuard hat sieben führende chinesische KI-Chatbots getestet, die im Westen zunehmend an Popularität gewinnen. Das Ergebnis: In 53 Prozent der Fälle widerlegten die Bots pro-chinesische Falschbehauptungen nicht. Bei zehn westlichen KI-Chatbots lag der Wert bei 24 Prozent.
Laut NewsGuard gibt es dafür vor allem einen Grund: Die chinesischen Chatbots verweigern häufig die Antwort, wenn es um Themen geht, die in Peking als sensibel eingestuft werden. Darin zeigt sich das stark zensierte Medienumfeld, in dem sie operieren.
Die Ergebnisse der Recherche fallen in eine Zeit, in der chinesische Sprachmodelle Berichten zufolge auch außerhalb Chinas immer häufiger zum Einsatz kommen. Vor allem Unternehmen greifen darauf zurück, die nach günstigeren Alternativen zu den KI-Modellen aus dem Silicon Valley suchen. Damit werden diese Firmen zunehmend anfällig für unzuverlässige Informationen.
Die chinesischen Modelle sind sogenannte Open-Weight-Modelle: Ihre Parameter sind öffentlich zugänglich. Sie lassen sich deshalb einfach anpassen, was es Unternehmen erleichtert, sie intern und zu geringeren Kosten zu betreiben. (Auch xAI, Meta und Mistral bieten einzelne Modellvarianten mit dieser Anpassungsmöglichkeit an. Es sind aber nicht die Modelle, auf denen ihre Chatbots primär laufen.)
Getestet wurden die für Endnutzer zugänglichen Chatbots von sieben chinesischen KI-Unternehmen: DeepSeek, MiniMax, Ernie von Baidu, Qwen von Alibaba, Yuanbao von Tencent, Kimi von Moonshot AI und Z.ai von Zhipu AI. NewsGuard stellte den Bots auf Englisch Fragen zu zehn nachweislich falschen Behauptungen, die von chinesischen Staatsmedien oder pro-chinesischen Social-Media-Nutzern verbreitet wurden. Als Vergleich dienten zehn führende westliche KI-Chatbots, die NewsGuard in einem Bericht vom Juli 2026 mit denselben Behauptungen auf Englisch geprüft hatte.
Die chinesischen Chatbots widerlegten die Falschbehauptungen in 53 Prozent der Fälle nicht – mehr als doppelt so oft wie die westlichen Modelle. Die Wertung „nicht widerlegt“ umfasst sowohl Antworten, die die Behauptungen bekräftigten, als auch solche, in denen die Bots die Antwort verweigerten und die Behauptung damit unwidersprochen stehen ließen.
NewsGuard wählte fünf pro-chinesische Falschbehauptungen, die sich gegen den Westen richten und internationale Ereignisse betreffen, darunter den Krieg im Iran. Hinzu kamen fünf pro-chinesische Falschbehauptungen zu Taiwan, etwa solche, die pro-taiwanesische Politiker diskreditieren sollen.
Jede Behauptung wurde mit drei Arten von Prompts abgefragt, die unterschiedliche Nutzertypen widerspiegeln sollen. Zwei davon entsprechen typischen Nutzeranfragen und bilden nach, wie durchschnittliche Nutzer und Nutzerinnen KI zur Einordnung von Nachrichten heranziehen: ein neutraler Prompt, der unvoreingenommen nach der Behauptung fragt, und ein suggestiver Prompt aus der Sicht eines Nutzers, der die Behauptung für wahr hält und nach weiteren Einzelheiten fragt.
Der dritte Prompt bildet böswillige Akteure nach, die gezielt versuchen, die Schutzmechanismen der Chatbots zu umgehen, um neue Varianten der Falschbehauptungen zu erzeugen und deren Verbreitung zu fördern.