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50 Falschbehauptungen, Tendenz steigend: In den ersten 25 Tagen dominiert pro-iranische Desinformation das Online-Schlachtfeld

NewsGuard hat 50 Falschmeldungen über den Krieg im Iran identifiziert, die sich zunehmend auf KI stützen und unter anderem die militärische Stärke des Iran übertreiben

Von Lea Marchl | Ursrünglich veröffentlicht am am 24. März 2026

 

Die Fakten: Fünfundzwanzig Tage nach Beginn des Iran-Krieges hat NewsGuard 50 falsche Behauptungen im Zusammenhang mit dem Konflikt identifiziert, die zusammen Hunderte Millionen Aufrufe erzielt haben – im Schnitt zwei Falschbehauptungen pro Tag.

Kontext: Die 50 Behauptungen wurden in NewsGuards Datenbank nachweislich falscher Behauptungen, die sich online verbreitet haben, erfasst – die sogenannten False Claims Fingerprints. NewsGuard dokumentiert Falschbehauptungen mit erheblicher Reichweite und hohem Schadenspotenzial.

Genauer betrachtet: NewsGuard identifizierte drei zentrale Muster unter den 50 falschen Narrativen: Sie verbreiten überwiegend eine pro-iranische Agenda; sie haben sich von irreführend dargestellten bzw. aus dem Kontext gerissenen Fotos und Videos hin zu vollständig KI-generierten Inhalten entwickelt; und zunehmend enthalten sie die Behauptung, dass echte, faktenbasierte Medienberichte tatsächlich KI-generierte Falschinformationen seien.

92 Prozent der von NewsGuard identifizierten Behauptungen verbreiteten eine pro-iranische Agenda. (Grafik via NewsGuard)

Iranische Erfolge: Von den 50 identifizierten Falschbehauptungen verbreitete die überwiegende Mehrheit – 92 Prozent, also 46 von 50 – pro-iranische Narrative.

  • Diese Behauptungen übertreiben typischerweise das Ausmaß und die Wirkung iranischer Raketenangriffe, insbesondere in Israel, und behaupten etwa, der Iran habe strategische Ziele zerstört, darunter ein Mossad-Gebäude, Israels Atomanlage in Dimona und den Flughafen Ben Gurion. Keiner dieser Angriffe fand statt.

Iranian state media and other pro-Iran voices have also depicted Israeli leadership and Israeli society in general as devolving into chaos due to Iranian drone and missile strikes.

  • NewsGuard identifizierte fünf prominente israelische Politiker und deren Familienmitglieder, die angeblich durch iranische Angriffe getötet worden seien, darunter Premierminister Benjamin Netanjahu, Mossad-Chef David Barnea und Finanzminister Bezalel Smotrich. Diese Behauptungen sind haltlos.

Obwohl proiranische Behauptungen NewsGuards Datenbank dominieren, stammen nur wenige davon aus iranischen Staatsmedien. Dies könnte auf die Schäden zurückzuführen sein, die durch anhaltende US-amerikanische und israelische Bombardierungen an der iranischen Führung und Infrastruktur verursacht wurden, einschließlich des Beschusses des Hauptquartiers des  Rundfunks der Islamischen Republik Iran. Darüber hinaus hatte NewsGuard bereits festgestellt, dass das iranische Regime im Vergleich zu Russland und China weit weniger Desinformation produziert. Stattdessen wurden die Behauptungen vor allem von pro-iranischen Social-Media-Konten aus der ganzen Welt verbreitet, etwa aus Südafrika, dem Vereinigten Königreich, dem Nahen Osten und Südasien.

  • Tasnim News – mutmaßlich mit der Islamischen Revolutionsgarde verbunden – sowie der staatlich kontrollierte Sender Press TV verbreiteten zum Beispiel die Behauptung, Netanjahu sei bei Angriffen auf sein Büro getötet worden. Die Medien teilten veraltetes Videomaterial eines Hamas-Angriffs vom Oktober 2023 auf die israelische Stadt Aschdod, um Tel Aviv als Trümmerfeld darzustellen.

Tal Hagin, Analyst für Informationskriegsführung und Dozent für Medienkompetenz beim Geheimdienstunternehmen Golden Owl, teilte NewsGuard per E-Mail mit, dass die Flut falscher Behauptungen zwei Ziele verfolge: „Die Moral pro-iranischer Regierungsgruppen zu stärken und den nachweislichen Erfolg israelischer und US-amerikanischer Anschläge auf verschiedene iranische Führungspersonen zu kontern.”

Hagin erklärte außerdem, bei den Behauptungen gehe es „nicht um die Fakten, sondern darum, wie sie die Menschen fühlen lassen”, und ergänzte: „Bis eine Behauptung widerlegt ist, ist das Publikum längst zur nächsten Geschichte übergegangen, und die alte bleibt nur noch als emotionaler Eindruck zurück.”

Wie oben erwähnt, enthielten acht Prozent der Behauptungen zum Iran-Krieg – also vier von 50 – pro-amerikanische oder pro-israelische Narrative.

  • In der ersten Kriegswoche – der Krieg begann am 28. Februar 2026 – behaupteten Social-Media-Nutzer fälschlicherweise, der Iran habe die Verantwortung für den Bombenanschlag auf eine Grundschule in Minab übernommen, bei dem nach Angaben iranischer Gesundheitsbehörden 175 Menschen ums Leben kamen. Tatsächlich deuten vorläufige Ermittlungen darauf hin, dass die USA die Schule versehentlich aufgrund veralteter Zielinformationen getroffen haben.

Von recycelten zu KI-generierten Inhalten: NewsGuard stellte fest, dass in der ersten Kriegswoche die meisten falschen Narrative durch recyceltes, veraltetes Videomaterial gestützt wurden. Im weiteren Kriegsverlauf gingen pro-iranische Stimmen zunehmend dazu über, KI-generiertes Material zu verwenden, um Irans Kriegserfolge zu überzeichnen.

Anzahl recyclter und KI-generierter Bildmaterialien, die NewsGuard im beobachteten Zeitfenster identifiziert hat. (Grafik via NewsGuard)
  • In den ersten drei Kriegstagen identifizierte NewsGuard sieben veraltete Bilder bzw. Videos, die von proiranischen Konten als Beweis für iranische Kriegserfolge verbreitet wurden. Dazu gehörte etwa ein Video, das angeblich einen iranischen Angriff auf eine israelische Atomanlage zeigte, in Wirklichkeit jedoch Aufnahmen eines Brandes in der Ukraine aus dem März 2017 war. Ein weiteres Video zeigte angeblich einen Angriff auf ein vermeintliches CIA-Gebäude in Dubai; tatsächlich handelte es sich um Aufnahmen eines Gebäudebrands aus dem Jahr 2015.
  • Ab dem 11. März dominierten KI-generierte Inhalte, darunter ein Video, das einen Angriff auf den Flughafen Ben Gurion durch eine iranische Hyperschallrakete zeigen soll, sowie ein Clip, in dem Premierminister Benjamin Netanjahu nach einem iranischen Angriff aus Trümmern geborgen wird.

Der umgekehrte Effekt: Während KI-generierte Falschdarstellungen in Konflikten und Kriegen inzwischen  eine etablierte Taktik sind, hat der Krieg im Iran auch das gegenteilige Phänomen hervorgebracht: Echtes Bildmaterial wird fälschlich als KI-generiert bezeichnet.

In den letzten zwei Wochen identifizierte NewsGuard vier Beispiele, in denen pro- und anti-israelische Nutzer echte Bilder als KI-generiert darstellten, um unbelegte Narrative zu stützen oder reale Ereignisse zu diskreditieren.

  • So warfen pro-israelische Nutzer der New York Times vor, am 9. März ein KI-generiertes Bild einer großen Menschenmenge in Teheran veröffentlicht zu haben, die den neuen Ayatollah Modjtaba Chamenei feiere. Die Zeitung verbreite damit angeblich regimefreundliche Propaganda. Tatsächlich war das Bild echt, wie die New York Times bestätigte.

Überblick: Während NewsGuard die Falschbehauptungen im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg weiterhin beobachtet, startet das Unternehmen ein Tracking-Center zum Krieg im Iran 2026, in dem unsere Ergebnisse dokumentiert werden. Den Tracker finden Sie hier.

Redaktion: Sofia Rubinson und Eric Effron.