Von Alice Lee und Madeline Roache | Veröffentlicht am 28. Sept. 2026
Seit dem russischen Großangriff auf die Ukraine im Jahr 2022 haben russische Einflussoperationen 906 gefälschte Nachrichtenberichte in Umlauf gebracht und sie etablierten Medien fälschlich zugeschrieben. Das zeigt eine Analyse von NewsGuard. Ziel der Kampagnen ist es, die Unterstützung des Westens für die Ukraine zu schwächen. Dafür machen sie sich das Vertrauen in etablierte Medien zunutze, um ihren Falschbehauptungen Glaubwürdigkeit zu verleihen.
Russland setzt diese Taktik fast seit Beginn der Invasion ein. Im vergangenen Jahr hat sie jedoch stark zugenommen. Das deutet darauf hin, dass die russischen Behörden sie für wirksam halten. Laut NewsGuard stieg die Zahl der Fälschungen, die angeblich von vertrauenswürdigen Medien stammen, von 44 im ersten Halbjahr 2025 auf 421 im ersten Halbjahr 2026. Das entspricht einem Anstieg um 850 Prozent.
Insgesamt nahmen die Kampagnen 163 Medienmarken ins Visier. Darunter sind große Namen wie die BBC, Politico, Bloomberg News und Euronews, aber auch kleinere Titel wie die ukrainische Nachrichtenseite The Kyiv Independent, die britische Regionalzeitung The Yorkshire Post und die französische Regionalzeitung La Montagne. Auch deutsche Medien wurden wiederholt ins Visier genommen. Darunter die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Deutsche Welle und Der Spiegel.
Die Kampagnen kopieren stets Logo und Layout der Medien. Manchmal richten sie sogar eigene Webseiten ein, deren Adresse der echten ähnelt. Für Nutzer ist die Fälschung so kaum zu erkennen. Oft enthalten die Berichte erfundene Zitate echter Fachleute.
Die Falschbehauptungen sind vielfältig. Sie reichen von der Behauptung, der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj habe westliche Hilfsgelder veruntreut und sei kokainabhängig, bis zu Pädophilie-Vorwürfen gegen Bundeskanzler Friedrich Merz und den französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Deutschland und Frankreich gehören zu den wichtigsten Unterstützern der Ukraine in Europa. Nach der Ukraine sind sie die häufigsten Ziele der russischen Kampagnen.
Welche Medien imitiert wurden und wie viele gefälschte Artikel auf jedes einzelne entfallen, zeigt das Media Imposter Tracking Center von NewsGuard. Sie finden es hier.
In die Gesamtzahl fließen nicht nur die von NewsGuard entdeckten Fälschungen ein. Berücksichtigt wurden auch Fälle, die von drei weiteren Stellen identifiziert wurden: dem Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation, einer ukrainischen Regierungsbehörde, der französischen Behörde Viginum und der anonymen Forschungsgruppe Antibot4Navalny.